Hamburger Stiftungstage 2026 „Wir sprechen über die Zukunft Hamburgs“

Wie können Kinder unabhängig von Herkunft und Lebenslage faire Start- und Bildungschancen erhalten? Darüber diskutierten gestern rund 70 Gäste aus Politik, Stiftungen, Gesundheitswesen, Jugendhilfe und Zivilgesellschaft bei der Veranstaltung „Gemeinsam stark für Hamburgs Kinder – Chancengleichheit von Anfang an“, zu der die Stiftung SeeYou im Rahmen der Hamburger Stiftungstage in die Rathauspassage Hamburg eingeladen hatte.

Die Veranstaltung griff damit eine Debatte auf, die derzeit bundesweit an Fahrt gewinnt. Während Bund und Länder über den jüngst erschienenen Bildungsbericht und das Startchancen-Programm diskutieren, lenkte die Stiftung SeeYou den Blick auf die Zeit vor Kita und Schule. „Die entscheidenden Weichen für Bildung, Gesundheit und Teilhabe werden häufig viel früher gestellt, als wir denken. Deshalb sprechen wir heute nicht nur über Kinder. Wir sprechen über die Zukunft Hamburgs“, sagte Dr. Sönke Siefert, Kinderarzt und Geschäftsführer der Stiftung SeeYou des Kinderkrankenhauses Wilhelmstift, der durch den Abend führte.

Genau an diesem Punkt setzte die Diskussion in Hamburg an: Wenn Bildungsungleichheit bereits in den ersten Lebensjahren entsteht, welche Rolle spielen dann Familien, Frühe Hilfen, Gesundheitssystem, Jugendhilfe, Stiftungen und Zivilgesellschaft?

Nach einem Grußwort von Sophie Fredenhagen, Abteilungsleiterin Familie und Kindertagesbetreuung der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung, diskutierte Dr. Siefert auf dem Podium mit Ilsabe von Campenhausen (wellcome gGmbH), Ingrid Ehlerding (Ehlerding Stiftung), Uwe Kirchner (Hamburger Spendenparlament) und Nadine Weber-Kroschke (Kroschke Kinderstiftung).

In ihrem Grußwort verwies Fredenhagen auf die Bedeutung früher Unterstützung für Familien und die Anstrengungen Hamburgs im Bereich der frühkindlichen Bildung. „Wer Familien früh erreicht, stärkt Kinder von Anfang an. Chancengerechtigkeit beginnt lange vor der Einschulung“, sagte Fredenhagen. Dabei knüpfte sie auch an ihre Erfahrungen aus der Jugendhilfe und als Bezirksamtsleiterin in Harburg an.

„Kein Kind sucht sich die Bedingungen aus, unter denen es geboren wird. Trotzdem prägen genau diese Bedingungen seine Entwicklung von Beginn an“, sagte Dr. Sönke Siefert. „Wenn wir Chancengleichheit ernst meinen, müssen wir deshalb früher ansetzen – in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in den ersten Lebensjahren.“

Umso wichtiger ist es, Familien frühzeitig zu unterstützen und ihnen den Zugang zu passenden Hilfsangeboten zu erleichtern. Dabei widersprachen die Podiumsgäste ausdrücklich der Vorstellung, Eltern zusätzliche Verantwortung aufzubürden. Es gehe nicht darum, Familien mehr Leistungsdruck aufzuerlegen, sondern darum, ihnen den Zugang zu Hilfen und Unterstützung zu erleichtern.

„Wenn Eltern Halt haben, können Kinder wachsen. Familienunterstützung ist deshalb nicht nur Sozialpolitik, sondern eine der wirksamsten Bildungsinvestitionen, die wir haben. Oder anders gesagt: Was Kinder prägt, trägt. Ein Leben lang“, betonte Ilsabe von Campenhausen, Geschäftsführerin von wellcome.

Auch Ingrid Ehlerding, Stifterin der Ehlerding Stiftung, hob die Bedeutung früher Förderung hervor: „Wer Bildungsgerechtigkeit stärken will, muss bereit sein, Kinder frühzeitig im Blick zu haben und sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Die ersten Lebensjahre entscheiden oft darüber, welche Chancen ein Kind später hat.“

Uwe Kirchner, Vorstand des Hamburger Spendenparlaments, verwies auf die enge Verbindung von Armut und Bildung: „Viele soziale Probleme, die wir später sehen, haben ihre Wurzeln in fehlenden Chancen am Anfang des Lebens. Deshalb gehören Armutsbekämpfung und Bildungsgerechtigkeit untrennbar zusammen.“

Nadine Weber-Kroschke, Vorständin der Kroschke Kinderstiftung, betonte die Bedeutung präventiver Ansätze: „Kinder brauchen nicht erst Unterstützung, wenn Schwierigkeiten sichtbar werden. Sie brauchen gute Rahmenbedingungen von Anfang an. Prävention ist immer wirksamer als spätere Reparatur.“

Ein weiterer Konsens des Abends: Chancengerechtigkeit kann nur gelingen, wenn Gesundheitssystem, Jugendhilfe, Bildungseinrichtungen, Politik, Stiftungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Die anschließende Netzwerkphase zeigte die große Bereitschaft der Hamburger Akteur*innen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, Kooperationen anzustoßen und Ideen für eine stärkere Vernetzung im Sinne von Kindern und Familien zu entwickeln.

Für die Stiftung SeeYou steht fest: Wer die Bildungsschere schließen will, muss Familien früher erreichen. Frühe Hilfen, Lotsendienste und andere niedrigschwellige Unterstützungsstrukturen sind deshalb ein wichtiger Baustein für mehr Bildungsgerechtigkeit.

 

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