Selektivvertrag KID-PROTEKT

AOK Rheinland/Hamburg, Sozialbehörde Hamburg und Stiftung SeeYou schließen einen Selektivvertrag zu Babylotse in Arztpraxen.

Der Selektivvertrag KID-PROTEKT baut auf den Ergebnissen des gleichnamigen Innovationsfondsprojektes auf und verfolgt das Ziel einer Kind-zentrierten psychosozialen Grundversorgung in Frauen- und Kinderarztpraxen in Hamburg. 

Die Sozialbehörde begrüßt es sehr, dass die AOK mit SeeYou einen Selektivvertrag zu KID-PROTEKT abgeschlossen hat. [..] Durch das Angebot wird das Unterstützungssystem für Familien rund um die Geburt deutlich verbessert. [..]

Dr. Dirk Bange, kommissarischer Leiter des Amtes für Familie der Hamburger Sozialbehörde

Vertragsinhalte 

  • Versorgung psychosozial belasteter Schwangerer und Wöchnerinnen sowie junger Familien entlang eines definierten Behandlungspfades
  • Vergütung der psychosozialen Anamnese durch die AOK Rheinland/Hamburg
  • Finanzierung der Personalressource Babylotse durch die Sozialbehörde

Alles über den Selektivvertrag

Lesen Sie mehr zum Hintergrund des Sektivvertrages sowie der konkreten Umsetzung im Praxisalltag.  

Welche Vorteile hat Ihre Praxis von der Teilnahme am Selektivvertrag?

Vergüteter, strukturierter Prozess in der Versorgung von psychosozial belasteten Patient*innen

Regelmäßige Lotsensprechstunde und Fachberatung durch eine Babylotsin

Kostenfreie Teilnahme an der Qualifizierung „Frühe Hilfen in der Arztpraxis"

Welche Voraussetzungen muss Ihre Praxis für die Teilnahme am Selektivvertrag erfüllen?

  • KV Sitz im Großraum Hamburg

    Vertragsarztsitz Pädiatrie oder Gynäkologie im Bereich der KV Hamburg und Umgebung.

  • KIM-Software

    KIM-Software (Kommunikation im Medizinwesen): Der Kommunikationsdienst ermöglicht es Praxen, medizinische Dokumente elektronisch und sicher über die Telematikinfrastruktur (TI) zu versenden und zu empfangen.

  • Institutionskennzeichen

    Institutionskennzeichen (IK): schriftlich und kostenfrei bei der ARGE.IK zu beantragen unter: https://www.dguv.de/arge-ik/index.jsp (unter „Downloads“ zu finden).

    Achtung: Die Bearbeitungszeit kann ein paar Wochen in Anspruch nehmen.

  • Teilnahme an der Qualifizierung "Frühe Hilfen in der Arztpraxis"

    Teilnahme mindestens einer MFA und eines Arztes / einer Ärztin Ihrer Praxis an der Qualifizierung „Frühe Hilfen in der Arztpraxis“ (durchgeführt von SeeYou). Termine für die nächste Qualifizierung erhalten Sie auf Anfrage. 

Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen können schon in der Schwangerschaft und frühen Kindheit helfen, mit den Familien diese Belastungen zu klären und in wohnortnahe passgenaue Hilfsangebote der Frühen Hilfen zu vernetzen.

Dr. Sönke Siefert, Geschäftsführer Stiftung SeeYou

Jetzt Interesse bekunden und direkt teilnehmen!

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Marie Klimpel
Junior Referentin für Gesundheitspolitik

Marie Klimpel

Landeskoordination Babylotse

Yvonne Rieck

Mehr über den Selektivvertrag

Gesellschaftliche Herausforderung

Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung von Familien wächst stetig. Dabei gilt der Zeitraum von Schwangerschaft, Geburt und früher Kindheit als psychosozial besonders kritische Lebenslage. Mit den Frühen Hilfen haben sich seit 2012 lokale und regionale Unterstützungssysteme für Eltern mit Kleinkindern von 0 bis 3 Jahren herausgebildet. 

    Trotz überzeugender Forschungsergebnisse zur Effektivität und Effizienz von Frühen Hilfen gelingen Früherkennung und Intervention in der Praxis noch nicht hinreichend. Das Programm Babylotse verfolgt eine Systematisierung der Überleitung von Familien aus dem Gesundheitssystem heraus in das Netz der Frühen Hilfen und andere soziale Sicherungssysteme. Kern ist die Lotsenfunktion zum Finden und Nutzen der passenden Einrichtungen und Hilfen.

    Hintergrund

    Der Selektivvertrag zwischen der AOK Rheinland/Hamburg und SeeYou wurde 2023 als Weiterentwicklung des Innovationsfondsprojekt KID-PROTEKT (kindzentrierten psychosozialen Grundversorgung im ambulanten Sektor) geschlossen. Die Ergebnisse dieses abgeschlossenen Innovationsfondsprojektes finden Sie hier.

    Ziel des Selektivvertrages ist das systematische Erkennen und Überleitung von Familien mit Unterstützungsbedarf aus Frauen- sowie Kinderarztpraxen heraus in das Netz der Frühen Hilfen und andere soziale Sicherungssysteme. 

    Der Selektivvertrag KID-PROTEKT zeichnet sich durch eine geteilte Finanzierung aus. Hierbei übernimmt die AOK Rheinland/Hamburg im Rahmen der psychosozialen Anamnese die Vergütung der in den Arztpraxen erbrachten Leistungen für Ihre Versicherten. Die Sozialbehörde Hamburg finanziert die Personalressource Babylotse und sorgt damit dafür, dass die psychosoziale Grundversorgung allen Frauen und Familien der teilnehmenden Praxen zugute kommt. Teilnehmen können bis zu 24 Frauen- und Kinderarztpraxen in Hamburg. 

    Umsetzung im Praxisalltag 

    Das systematische Erkennen von psychosozialen Belastungen und Überleiten von Familien mit Unterstützungsbedarf aus dem Gesundheitssystem heraus in das Netz der Frühen Hilfen und andere soziale Sicherungssysteme gelingt durch die Zusammenarbeit von speziell geschultem Praxispersonal zu „Frühe Hilfen in der Arztpraxis“ und den Babylotsinnen.

    Durch das Austeilen des Anhaltsbogens als validiertes Screening-Instrument durch das Praxispersonal werden nicht-stigmatisierend individuelle Unterstützungsbedarfe der Familien erkannt. Die Klärung des konkreten Belastungsniveaus sowie der Ressourcensituation der Familie erfolgt im Anschluss an einen auffälligen Anhaltsbogen in Form eines Orientierenden Gespräches durch das geschulte Praxispersonal sowie einer Überleitung in passende lokale Hilfsangebote. Besteht ein komplexer oder intensiver Unterstützungsbedarf erfolgt eine Überleitung an die Babylotsin als (sozial)pädagogische Fachkraft, die jeder teilnehmenden Praxis zur Verfügung steht. Ergänzt wird dieser Prozess durch das Angebot einer festen Lotsensprechstunde vor Ort in den Praxen. Durch dieses besondere Versorgungsangebot soll eine gesunde Kindesentwicklung trotz bestehender psychosozialer Belastungssituationen in den Familien gefördert werden.

    Lotsenprozess - Erfahrungen aus KID-PROTEKT 

    Erkennen 

    • Sehr gute Erreichbarkeit und hohe Akzeptanz der Zielgruppe: Teilnahmeraten bis zu 97% in der neuen Versorgungsform
    • Bedarf an psychosozialer Beratung vorhanden: ca. ein Drittel aller Patientinnen ist belastet

    Klären 

    • Kombination aus Screening und Gespräch erlaubt individuelle Bedarfseinschätzung und Dokumentation: Etwa die Hälfte der belasteten Familien hat einen intensiven Unterstützungsbedarf
    • Umsetzung praktikabel im Versorgungsalltag: 87% der Gespräche führten geschulte medizinische Fachkräfte

    Vernetzen 

    • Hinweis auf Versorgungslücke in der Regelversorgung: Anteil weitergeleiteter unterstützungsbedürftiger Familien ist 3x so hoch wie in der Regelversorgung
    • Deutliche qualitative Unterschiede zwischen den Varianten in der Art der Weiterleitungen: Überleitungen fanden in der lotsengestützten Variante um ein Vielfaches (fast 16x) häufiger statt

     

    Ausblick 

    Der Selektivvertrag KID-PROTEKT zeigt nach einem Jahr erste Erfolge und einen vielversprechenden Ansatz auf, wie eine gemeinsame Finanzierung durch die gesetzliche Krankenversicherung und Kommune aussehen kann. Damit ist dieses Modell eine Blaupause dafür, wie eine Regelfinanzierung der psychosozialen Grundversorgung in Frauen- und Kinderarztpraxen aussehen kann. 


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