Geschichten aus dem Alltag der Nachsorge

  • Diabetes: Ein Leben voller rechnen, wiegen und messen

    Hanadi ist 11 Jahre alt, als sie erfährt, dass sie an Diabetes Typ1 erkrankt ist. Die Herbstferien muss das Mädchen im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg verbringen. Zahlreiche Untersuchungen und erste Schulungen im Krankenhaus folgen. Einen Tag nach der Entlassung besucht die Diabetesberaterin und Diätassistentin Kea Diederichs das junge Mädchen. Normalerweise, mit der Finanzierung der Krankenkassen, wäre eine so zeitnahe Betreuung nach Entlassung nicht denkbar. Der Lions Club Lüneburg ermöglicht diese unkomplizierte und unmittelbare Aufnahme der Nachsorge und nimmt der Familie so große Sorgen. 

    Hanadi war fünf Jahre alt, als sie mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen ist. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern in Lüneburg. Das Familienleben ist herzlich und liebevoll, die Eltern zeigen sich jedoch sehr unsicher im Umgang mit der Erkrankung ihrer Tochter. Sprachliche Bildungsdefizite spielen eine Rolle. Besonders im Umgang mit der Berechnung von Kohlenhydraten scheinen sie überfordert. Gemeinsam mit der Nachsorgeschwester Kea bereitet Hanadi Mahlzeiten zu und lernt so, wie sie ihre Insulinbehandlung an das Essen anpassen kann. Ihre ältere Schwester bringt sich ebenfalls stark ein, unterstützt Hanadi und lässt sich schulen, um im Notfall zu helfen zu. Gemeinsam finden sie einen alltäglichen Weg, um mit der Krankheit umzugehen. Kea vereinbart einen Termin in der Schule der 6. Klässlerin, klärt die Lehrer auf, schult sie im Umgang mit der Krankheit und nimmt so Berührungsängste. Für den Sportunterricht berechnen die beiden gemeinsam die exakte Insulindosis, damit Hanadi keine Unterzuckerung erleidet. So wird das junge Mädchen Stück für Stück an einen sicheren Umgang mit Diabetes herangeführt. 

     

    Wöchentlich besucht Kea die Familie und beantwortet offene Fragen. Hanadi zeigt viel Engagement, sammelt Verpackungen mit Ernährungshinweisen und ist gewissenhaft im Umgang mit ihrer Erkrankung. Parallel dazu tauscht sich Kea Diederichs mit ihren Kolleginnen am Wilhemstift aus. Das multiprofesionelle Nachsorgeteam aus Kinderkrankenschwestern, Sozialpädagoginnen, Ärzten und Psychologin ist eine wichtige Stütze für die Diabetesberaterin und erleichtert die Erstellung eines Fahrplans.

     

    Nach der 3-monatigen Begleitung durch Kea, kann Hanadi die Insulindosis sicher selber berechnen, ist geschult im Umgang mit dem Messgerät und kennt die eigenen Grenzen. Und trotz dieser guten Basis fällt es ihr immer noch schwer, die Erkrankung als Teil ihres weiteren Lebens zu akzeptieren und anzunehmen. 

     

    Drei Wochen nach Beginn der Diabetes-Nachsorge durch Kea Diederichs kommt ein Ablehnungsschreiben der Krankenkasse. Sie sieht die Notwendigkeit einer Nachsorge im Fall von Hanadi nicht gegeben und lehnt die Kosten ab. Eine erneute Prüfung fällt ebenfalls negativ aus. Ohne die Unterstützung durch den Lions Club Lüneburg hätten Hanadi und ihre Familie selber lernen müssen, mit der Krankheit umzugehen, hätten die Hürden eigenständig nehmen und sich das notwendige Wissen selber aneignen müssen. Ein mühseliger und auch sorgenvoller Weg wäre es geworden.

  • Tafreed - nicht nur in Zeiten von Corona eine Herausforderung

    Mitten in der Corona-Krise kommt der kleine Tafreed mit einer unklaren Stoffwechselerkrankung und einer Herzmuskelschwäche in Hamburg zur Welt. Nach sieben langen Wochen u.a. auf der Kinderintensivstation im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift darf Tafreed endlich nach Hause. Doch die aus Pakistan stammende Familie, die erst vor wenigen Jahren in die Hansestadt gekommen ist, fühlt sich aufgrund der Erkrankung ihres Neugeborenen sehr verunsichert. Ihr Zuhause ist eine Einzimmerwohnung im 6. Stock einer Hochhaussiedlung, der Vater arbeitet als LKW-Fahrer Tag und Nacht, um die Familie zu ernähren und dann gibt es da auch noch die 1,5 Jahre alte Schwester.

     

    Für unsere Kinder-Intensivkrankenschwester, die für die Stiftung SeeYou die Familie zwölf Wochen lang begleitet, eine große Herausforderung: wie kann sie zu der Familie, die kaum deutsch spricht, unter den veränderten Rahmenbedingungen in Zeiten von Corona Kontakt halten? Wie gelingt es ihr, sicherzustellen, dass die therapeutischen Maßnahmen auch zu-hause umgesetzt und die Medikamente regelmäßig verabreicht werden? Wie kann sie die Mutter, die aus Angst um ihr Kind, kaum alleine das Haus verlässt, aufbauen und unterstützen? Wie kann sie eine Eltern-Kind-Bindung fördern, die sich in den ersten Wochen nach der Geburt aufgrund des Krankenhausaufenthaltes nur schwer entwickeln konnte? Wie schafft sie es, auch der kleinen Schwester, die Angst zu nehmen?

     

    Liebevoll und kompetent macht sich unsere Kinder-Intensivkrankenschwester an die Arbeit und hilft der Familie, Schritt für Schritt im Alltag zurechtzukommen und die medizinische Versorgung von Tafreed sicherzustellen. Sie kümmert sich um Termine bei Netzwerkpartnern, organisiert für die Mutter einen Deutschkurs (der leider noch nicht angefangen hat) und findet für sie einen Alltagsbegleiter, der ihre Muttersprache spricht, lernt die Eltern in der Verabreichung der Medikamente an und schult sie im Handling mit Tafreed. Darüber hinaus vernetzt sie die Familie mit dem interdisziplinären Team von SeeYou, wodurch diese sowohl in medizinisch-therapeutischen, als auch in sozialen Belangen Unterstützung erhält. All dies geschieht unter den erschwerten Bedingungen von Corona. Schnell zeigt sich aber, dass Telefonate und Videokonferenzen den häuslichen Kontakt nicht ersetzen können – nicht nur wegen der Sprachbarriere, sondern auch, weil die regelmäßige Gewichtskontrolle von Tafreed von großer Bedeutung ist.

     

    Nach zwölf Wochen Begleitung durch die Fachkräfte von SeeYou ist eine deutlich positive Entwicklung in allen Bereichen zu erkennen. Tafreed gedeiht gut, es ist eine stabile Eltern-Kind-Bindung zu spüren und auch die große Schwester kommt mit der neuen Situation besser zurecht. Ein Antrag auf Pflegestufe 3 wurde gestellt und die Familie erhält Dank eines weiteren Antrags der Sozialpädagogin mehr finanzielle Unterstützung vom Amt. Die Familie konnte in eine größere Wohnung umziehen und bewohnt nun 2,5-Zimmer. Auch fanden konstruktive Gespräche mit dem Arbeitgeber des Vaters statt. In der Planung seiner LKW-Touren werden Arztbesuche von Tafreed berücksichtigt. Darüber hinaus war die Anbindung an das Familienteam erfolgreich und eine Hebamme besucht die Familie in den nächsten Monaten regelmäßig. Das medizinisch-therapeutische Netzwerk ist aufgebaut und Termine werden von der Familie eingehalten und die Unterstützung angenommen.

     

    Dank des unermüdlichen Einsatzes unseres multiprofessionellen Nachsorgeteams und vieler weiterer Fachkräfte der Kinderklinik wurden Fortschritte bei der Krankheitsakzeptanz und –bewältigung erzielt und die soziale Integration der Familie dank Vernetzung zu allen relevanten Stellen des Gesundheits- und Sozialnetzes auf den Weg gebracht. Trotz der Belastung kann die Familie in eine gelingende Zukunft vertrauen.
     

  • Diagnose Diabetes

    Wenn bei einem Kind Diabetes diagnostiziert wird, dann stellt sich für die gesamte Familie das Leben um. Ziel meiner Arbeit in der Diabetesnachsorge ist es daher, den Familien durch Schulungen und umfassende Informationen Sicherheit zu geben, um so schnell wieder zu einem „normalen“ Alltag zurückzufinden.

    Oft kenne ich die Familien schon aus der Zeit im Krankenhaus. Dieses Mal war es allerdings etwas anders. Ich bin zu völlig Fremden nach Hause gefahren, nur ein kurzes Telefonat zwecks Terminabsprache ging dem voraus. Die Familie besteht aus der 3-jährigen Charlotte, ihrem 1,5-jährigen Bruder und den Eltern. Da beide Eltern voll berufstätig sind und beide Kinder ganztags im Kindergarten betreut werden, ist es wichtig, sicherzustellen, dass die Erzieherinnen gut geschult sind und Charlotte mit ihrer Insulinpumpe versorgen können. In diesem Fall hatten die Erzieherinnen schon Vorerfahrung, so dass keine weitere Schulung erfolgen musste. Meine Hauptaufgabe in diesem Fall war es, den Eltern die Angst zu nehmen. Anfangs waren sie noch sehr aufgeregt, haben viele Fragen gestellt und viel durcheinander geredet. Diese allgemeine Unruhe hat sich natürlich auch auf die beiden Kinder übertragen.

    Mittlerweile ist der Alltag eingetreten und alle sind ruhiger und ausgeglichener: die Eltern, die Kinder und auch der Blutzuckerspiegel. So konnte ich mit einem guten Gefühl die Nachsorge beenden und die Hauptverantwortung an die Eltern übergeben. Selbstverständlich werden sie bei Bedarf weiterhin durch die Diabetesambulanz unterstützt.

    Birgit Stamm – Diabetesberaterin
     

  • Ein Schicksal, das stärker macht

    Strahlend sitzt die sechsköpfige Familie im Wohnzimmer. Die Kinder herzen und ärgern sich. Liebevoll schauen die Eltern Claudia und Francis dem Trubel zu. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass nicht alle Tage diese Leichtigkeit haben. Denn Lennox, der jüngste der vier Kinder, ist schwer krank.

     

    Im Juni 2018 brachte Claudia, fast pünktlich zum Termin, die Zwillinge Melissa und Lennox zur Welt. Doch schnell wurde klar, dass es bei Lennox Komplikationen gab. Viele Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte folgten, Unsicherheiten, Sorgen und Ängste, bevor deutlich wurde, dass Lennox nur einen Lungenflügel und eine Niere hat. Außerdem befindet sich sein Herz auf der rechten Seite. Welche Konsequenzen diese Erkrankung für seine Zukunft hat und wie dieser genetische Defekt entstanden ist, ist ungewiss und soll nun mittels eines Tests geklärt werden.

     

    Direkt nach der Diagnose wurde deutlich, dass die Familie Unterstützung benötigt. Francis, der Vater, ist unter der Woche beruflich viel unterwegs. Claudia ist somit mit den vier Kindern im Alter von 13, 2 und den beiden 8 Monate alten Zwillinge oftmals alleine. Noch im Krankenhaus wurde der Kontakt zu SeeYou hergestellt und Susanne Apel, die Nachsorgeschwester, besuchte zeitnah die Familie. Gemeinsam mit der Mutter Claudia sprach sie über Ängste und Sorgen, informierte sie umfassend über die Krankheit ihres Sohnes und versuchte somit Hemmschwellen in der Familie abzubauen. Sie erklärte, wie der Heimmonitor zu nutzen war, an dem Lennox anfangs angeschlossen war und welche Bedeutung die jeweiligen Werte haben. Susanne Apel band außerdem das multiprofessionelle Team bei SeeYou mit ein und tauschte sich mit den Kolleginnen aus. Die Psychologin des Teams besprach in einigen Sitzungen die Ängste und Sorgen mit der Mutter. Die Mutter Claudia erinnert sich: „Ich kann es nicht anders sagen: es war eine sehr schwierige Zeit. Es gab viele Tage, an denen ich nur geweint habe. Doch die Nachsorgeschwestern bei SeeYou haben uns geholfen.“

     

    Eine große Erleichterung für den Familienalltag war der positive Bescheid über den Pflegegrad von Lennox. Ein Team aus Pflegekräften unterstützt die Familie seitdem jeweils abends und nachts. Sie kontrollieren den Heimmonitor, der nun nur noch nachts angeschlossen wird, und überwachen den Schlaf von Lennox. Für die Eltern endlich die Möglichkeit mehr Schlaf zu finden und somit den Alltag mit den vier Kindern besser zu bestehen. Auch eine Physiotherapeutin kommt regelmäßig ins Haus, damit Lennox frühestmöglich gefördert wird.

     

    Heute, acht Monate nach der Geburt, ist Lennox ein aufgeweckter, neugieriger kleiner Junge. Er ist ein großer Teil der Familie. Seine älteren Brüder kümmern sich rührend um ihn. Vergleicht man ihn jedoch mit seiner Zwillingsschwester, wird deutlich, wie schmächtig und zart er ist. Den Dezember hat er fast vollständig im Krankenhaus verbracht, da er sich einen Infekt zugezogen hat – eine Lebensbedrohung für ihn. Doch die Hindernisse und Rückschläge tun dem Optimismus der Familie keinen Abbruch. Sie schweißen sie zusammen und machen die Familie stärker.

     

    Anfang Februar hat RTL Nord die Familie besucht und einen einfühlsamen Beitrag gedreht.
     

  • Das eigene Kind satt bekommen

    Krankengeschichte

    Emilia kommt mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf die Welt. Die sehr jungen Eltern trifft die Diagnose unvorbereitet, sie sind erschüttert und hilflos. Bei Entlassung des Kindes verordnet der Stationsarzt Sozialmedizinische Nachsorge, um die überforderten Eltern in der kritischen Phase zu stabilisieren und das Gelingen der Behandlung zuhause sicherzustellen.

     

    Situation bei Entlassung aus der Klinik

    Trotz der Erstversorgung mit einer Trinkplatte bestehen bei Emilia zahlreiche Funktionsstörungen durch die fehlende Trennung des Nasenraums zur Mundhöhle.

    Die Familie ist ängstlich und verunsichert. Emilias Atmung ist behindert, die Ernährung schwierig und zeitaufwendig. Emilia verschluckt sich oft und trinkt schlecht, es droht eine Gedeihstörung. Die Eltern machen sich Sorgen um das Gehör ihrer Tochter, das durch die mangelnde Belüftung beeinträchtigt sein kann und um die zukünftige Sprachentwicklung. Die Kontrolle in der Sprechstunde für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ist organisiert und wird regelmäßig durchgeführt, weitere Therapiepläne sind vorbereitet. Im Alter von acht bis neun Monaten sind die ersten Korrekturoperationen geplant.

     

    Soziales Umfeld

    Die Eltern sind beide sehr jung und befinden sich noch in der Ausbildung. Sie wohnen beengt in einer lauten Umgebung. Die Großeltern von Emilia können der jungen Familie nicht helfen. Sie sind beide arbeitslos und chronisch krank. Eine Tante der jungen Frau erledigt gelegentlich die nötigsten Einkäufe. Zumindest ein Elternteil kann die Ausbildung aktuell nicht weiterführen.

     

    Hilfebedarf

    Es droht eine massive Überforderung. Allein die Fütterungszeiten nehmen fast den ganzen Tag in Anspruch. Emilias Eltern können sich mit der Krankheit ihrer Tochter nicht abfinden und hadern mit ihrem Schicksal, auch weil das Stillen durch die Gaumenspalte nicht gelingt. Neben psychologischer Unterstützung benötigen die jungen Eltern dringend Hilfe und Anleitung für die Ernährung ihres Kindes. Hauptziele der Nachsorge sind das Gedeihen von Emilia und der Aufbau einer guten Eltern-Kind-Bindung. Die psychologische Stabilisierung der Eltern bei der Krankheitsbewältigung und eine gute Vernetzung im wohnortnahen Gesundheits- und Sozialraum sind ebenfalls zentral.

     

    Beratung und Unterstützung

    Eine Kinderkrankenschwester von SeeYou besucht die Familie zuhause. Sie zeigt Emilias Mutter, welche Flaschensauger am besten geeignet und welche Fütterungspositionen am günstigsten sind. Durch geduldiges Üben unter fachkundiger Anleitung verlieren die Eltern allmählich die Angst vor der regelmäßig durchzuführenden Reinigung der Gaumenplatte und dem korrekten Wiedereinsetzen. Vor allem aber spricht die Kinderkrankenschwester der Familie Mut zu, die großen Herausforderungen von Emilias Krankheit anzunehmen. Die Psychologin der Nachsorgeeinrichtung arbeitet ebenfalls intensiv mit der Familie zur Förderung einer guten Eltern-Kind-Bindung. Zusätzlich erhält die Familie Hilfe bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises und bei der Suche nach einer wohnortnahen Selbsthilfegruppe.

     

    Ergebnis

    Nicht allein gelassen entwickeln Emilias Eltern in der ersten kritischen Phase nach Klinikentlassung eine liebevolle Beziehung zu ihrem Kind und sehen mit Ruhe den operativen Korrekturmaßnahmen entgegen. Alle ärztlichen Kontrolltermine sind vereinbart. Der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe und der Austausch mit anderen Betroffenen bringt die Familie weiter auf einen guten Weg. Emilia hat beste Chancen auf eine optimale psychosoziale Entwicklung.
     

  • Marvin

    Der zehnjährige Marvin muss wegen einer schweren, geschwürigen und hoch ansteckenden Pilzinfektion des Kopfes und der Füße im Kinderkrankenhauses Wilhelmstift behandelt werden. Er stammt aus Ghana und hat noch sechs Geschwister im Alter zwischen acht Jahren und drei Monaten. Die Mutter spricht kaum Deutsch und ist alleinerziehend. Eine Unterstützung ist angesichts der Isolation der Familie nicht vorhanden oder zu erwarten.

     

    Eine medikamentöse und lokale Behandlung bringt eine schnelle Besserung, das Kind darf zehn Tage später wieder nach Hause. Nach der Entlassung ist eine gewissenhafte Behandlung mit Salben und Tabletten sowie umfangreiche Hygienemaßnahmen zuhause unabdingbar, um den Therapieerfolg zu sichern - nicht zuletzt auch, um eine Ansteckung der zahlreichen Geschwisterkinder und der Mutter zu vermeiden. Die auf sich gestellte Mutter ist überfordert, den Erfordernissen allein nicht gewachsen, die Therapie zuhause misslingt. Marvin muss nach kurzer Zeit mit einem deutlich verschlimmerten Krankheitsbild erneut stationär aufgenommen werden.

     

    Nach weiteren 12 Tagen Krankenhausaufenthalt wird das Kind zum zweiten Mal entlassen – diesmal mit der Verordnung von Sozialmedizinischer Nachsorge. Eine Kinderkrankenschwester besucht Marvin und seine Familie zuhause, erklärt und schult, plant, vernetzt ausführlich und nachhaltig – Marvin wird ganz gesund und kann endlich wieder die Schule besuchen. Sozialmedizinische Nachsorge erhalten schwer erkrankte, chronisch kranke, frühgeborene oder behinderte Kinder in der ersten Zeit nach einem Klinikaufenthalt. Ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Kinderkrankenschwestern, Sozialpädagogen, Ärzten, Psychologen und Diabetesberaterinnen kümmert sich ganzheitlich um das Gelingen der ambulanten medizinischen Therapie, stabilisiert die Familie durch den  individuellen Bedürfnissen angepasste spezifische Maßnahmen und bindet die Familie in das wohnortnahe Gesundheits- und Sozialnetz ein. Die Hilfe erfolgt bei den Familien zuhause und ist meist nach ca. 12 Wochen abgeschlossen.
     

  • Eine kranke Mutter

    Sabine Gregori ist schwanger. Eigentlich eine unkomplizierte Schwangerschaft. Doch dann, in der 33. Schwangerschaftswoche, erleidet sie einen schweren Bandscheibenvorfall. Wenige Tage später muss das Kind per Kaiserschnitt entbunden werden.

     

    Doch wie soll Sabine nun ihr Kind versorgen? Sie hat strenge Bettruhe, darf nicht heben. Hier hilft die Nachsorgeschwester. Sie organisiert eine Unterstützung für die Familie, die schon in der Klinik der Mutter zur Hand geht und auch zu Hause die Pflege des Kindes übernimmt. So können Sabine und ihr kleiner Sohn schon bald die Klinik gemeinsam verlassen und ihr Leben zu Hause einrichten.
     

  • Bis das Leben gelingt

    Peer und Sandra haben ein Frühchen. Sie haben sich sehr auf ihr erstes Kind gefreut, haben sich auf eine normale Geburt eingestellt, ein paar Tage in der Klinik, dann die Heimfahrt in der Ausgehgarnitur und endlich eine richtige Familie.

     

    Dann kamen die Blutungen, Sandra musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Es ging alles ganz schnell, eine kurze Untersuchung durch den Gynäkologen, ein Ultraschall, Wehenschreiber und dann in den OP. Es bestand große Gefahr für das Kind, es musste sofort ein Kaiserschnitt gemacht werden. 12 Wochen zu früh waren Peer und Sandra plötzlich Eltern, hatten ein Kind, welches mit 900 Gramm auf der Intensivstation beatmet werden musste, tagelang um sein Leben kämpfte.

     

    Drei Monate später durfte Lasse nach Hause. Er war immer noch klein, gerade mal 2000 Gramm brachte er am Entlassungstag auf die Waage, Herz und Atmung sollten auch zu Hause noch mit einem Monitor überwacht werden. Die Ausgehgarnitur war ihm viel zu groß. Sandra und Peer waren dennoch überglücklich, ihr Kind endlich zu Hause zu haben. Sie hatten aber auch große Angst. War er wirklich gesund? Würde er sich normal entwickeln? Würden sie richtig auf die Monitoralarme reagieren?

     

    Ihre Nachsorgeschwester hat die kleine Familie bereits auf der Intensivstation kennen gelernt. Sabina kennt Lasse noch aus seinen ersten Lebenstagen, hat ihm bei seinem Überlebenskampf geholfen, den Eltern immer wieder Mut gemacht. Nun besucht sie die drei auch nach der Entlassung einige Male zu Hause, bespricht mit ihnen die Fragen und Sorgen, die sich erst aus dem alltäglichen Leben in den eigenen vier Wänden, ohne die Sicherheit einer Intensivstation ergeben. Und auch in den nächsten Wochen und Monaten haben sie in Sabina eine kompetente Ansprechpartnerin, die sie anrufen können, wenn sich neue Probleme mit Lasse ergeben sollten. So findet die Familie nach einer langen und harten Zeit langsam in ihr Leben zurück.
     

  • Tarek – Trisomie 21 – schwere Prüfung für eine frisch immigrierte Familie

    Tarek ist ein reifes Neugeborenes mit einer Trisomie 21, dem Down-Syndrom. Die Diagnose war vorher nicht bekannt. Zusätzlich hat Tarek noch ein Loch in der Herzscheidewand und eine ausgeprägte Muskelschwäche. Das Kind trinkt sehr schlecht und langsam. Drei Wochen nach Geburt wird Tarek nach Hause entlassen.

     

    Aus Freude wird Angst

    Tarek ist das fünfte Kind seiner vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland immigrierten Eltern. Der Familienvater ist Ingenieur, jetzt in Deutschland arbeitslos. Er kümmert sich um alle Belange seiner Familie und spricht schon recht gut Deutsch, während die wesentlich jüngere Mutter sehr eingeschüchtert und unselbstständig wirkt. Sie verlässt alleine niemals das Haus und spricht kaum Deutsch. Alle Entscheidungen werden vom Vater getroffen. Die Diagnose Trisomie 21 werten die Eltern als Strafe Gottes und sind bemüht, die Diagnose vor der übrigen Großfamilie zu verheimlichen.

    Die Freude über die Geburt ihres Sohnes wandelt sich angesichts der unerwarteten Behinderung schnell in Angst und Verzweiflung. Tareks Eltern haben unendlich viele Fragen zu seinen Entwicklungschancen und fragen nach möglichen Fördermaßnahmen und Therapien. Die Eltern-Kind-Bindung erscheint stark gefährdet. Der behandelnde Stationsarzt verordnet Sozialmedizinische Nachsorge zur Stabilisierung der Familie und zum Wohle des Kindes.

     

    Was ist zu tun?

    Im Fall von Tarek und seiner Familie geht es vor allem um Akzeptanz und Bewältigung der Behinderung des Kindes. Nur dann kann eine gute und liebevolle Eltern-Kind-Bindung entstehen. Darüber hinaus sind wohnortnahe Fördermöglichkeiten für Tarek zu finden und entsprechende Termine zu vereinbaren. Hilfreich erweist sich außerdem der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe. Speziell die Mutter braucht Kontakt zu anderen betroffenen Müttern, nach Möglichkeit mit derselben Muttersprache. Neben einem Deutschkurs für die Mutter gilt es, einen Schwerbehindertenausweis zu organisieren und die Familie bei einem Antrag auf Pflegestufe für Tarek zu unterstützen.

    Die Familienkinderkrankenschwester Frau B. und die Psychologin Frau S. von SeeYou kümmern sich 12 Wochen lang liebevoll und umfassend um Tarek und seine Familie. Sie unterstützen die Familie ganzheitlich sowohl in medizinisch/therapeutischen als auch sozialen Belangen und arbeiten intensiv am Ziel der Krankheitsakzeptanz und -bewältigung.

     

    Auf einem guten Weg

    Nach 12 Wochen Begleitung durch die Fachkräfte von SeeYou sieht die Welt schon ganz anders aus: Alle Familienmitglieder lieben Tarek wegen seines freundlichen Wesens. Die gute Eltern-Kind-Bindung ist deutlich zu spüren. In der Nachbarschaft lebt eine ebenfalls betroffene Familie, die Mütter treffen sich mittlerweile regelmäßig. Tareks Mutter besucht jetzt zweimal wöchentlich zusammen mit einer Freundin einen Deutschkurs und macht gute Fortschritte, während der Vater in der Zwischenzeit die Kinder betreut. Alle Fördermaßnahmen sind in die Wege geleitet, ein Schwerbehindertenausweis und eine Pflegestufe sind beantragt.
     

  • Geborgenheit in einer Pflegefamilie

    Mara kommt in der 27. Schwangerschaftswoche mit einem Down-Syndrom und einem Herzfehler auf die Welt. Ihre Eltern sind mit der Situation überfordert und so vertrauen ihr Kind zunächst einer Bereitschaftspflegefamilie an. Während des langen Klinikaufenthaltes kümmert sich auch eine Praktikantin der Station häufig und sehr liebevoll um Mara und entwickelt eine enge Bindung. Sie ist Maras erste Bezugsperson, und so liegt es nahe, dass sie sich dauerhaft  als Pflegemutter zur Verfügung stellt.

     

    Bei ihrer Entlassung kommt Mara vorübergehend in die  Bereitschaftspflegefamilie. Sie wiegt 2000 Gramm und stellt die sehr engagierte Pflegefamilie bei aller Erfahrung mit Kindern pflegerisch zunächst vor große Herausforderungen. Ein Monitor überwacht ihre Herzfrequenz, die Verabreichung der zahlreichen Medikamenten erweist sich als schwierig. Außerdem soll Mara unbedingt an Gewicht zulegen.

     

    Ein Team aus Kinderkrankenschwestern, Ärztin, Psychologin und Sozialpädagogin von SeeYou kümmert sich um das Kind und seine Pflegeeltern. Die Nachsorgeschwester informiert bei Ernährungsfragen, unterstützt bei Unsicherheiten hinsichtlich des Herzmonitors und leitet die Beantragung eines Behindertenausweises ein.

     

    Vier Wochen nach Maras Entlassung trifft das Jugendamt die Entscheidung, die ehemalige Praktikantin aus dem Wilhelmstift als Dauerpflegemutter einzusetzen – Mara darf erneut in ein neues Zuhause “umziehen“. Um einen guten Start zu gewährleisten, trifft sich die Nachsorgeschwester im Vorwege mit der neuen Pflegemutter bei der derzeitigen Pflegefamilie, um die vielen Handgriffe der medizinischen Pflege zu besprechen und zu üben. Auch offene Fragen zur benötigten Ausstattung der Wohnung lassen sich klären und ein Kontakt zum nächsten Kinderarzt und einer Physiotherapeutin herstellen, so dass Mara zukünftig gut in ihrer neuen Familie aufgehoben ist und liebevoll umsorgt aufwachsen kann.
     

  • Hilfe bei Drillings-Stress

    Drei kleine Jungs kommen im Oktober im Marienkrankenhaus per Kaiserschnitt zur Welt: 13 Wochen zu früh. Es sind Drillinge: Finn 1230 g, Niklas 1080g und Jacob 845 g. Die Freude ist riesengroß – die Sorgen um die drei Jungen sind es auch.

     

    Die ersten Wochen verbringen die Jungen auf der Kinderintensivstation des Kinderkrankenhauses Wilhelmsstift. Die Ärzte prüfen immer wieder, ob ihre Herzchen regelmäßig schlagen und Blut durch die kleinen Körper fließt. In der ersten Zeit brauchen sie noch Beatmungsgeräte und brauchen. Die Ärzte verabreichen ihnen immer wieder Medikamente und spritzen ihnen Nahrung durch die Venen. Für den Start ins Leben müssen die drei unbedingt Gewicht zulegen. Die Ärzte helfen den Frühchen Komplikationen am Herzen und an den Nieren zu überstehen und behandeln eine starke Blutarmut. Mit therapeutischen Übungen werden Beinchen und Ärmchen gekräftigt und die Beweglichkeit gefördert.

    Drei lange Monate dauert es bis Jacob und Niklas nach Hause dürfen. Finn ist noch nicht stabil genug, er muss noch zwei Wochen länger als seine beiden Brüder in der Klinik bleiben. Das bedeutet für die Eltern, dass einer von beiden mit einem Baby in der Klinik übernachtet, während der andere allein mit zwei Säuglingen zu Hause ist. Auch zu Hause sind die Kleinen an einem Überwachungsgerät angeschlossen. Es überprüft Atmung und Herzfunktion. Einerseits ist das beruhigend. Zumindest, wenn alles läuft wie es laufen soll. Andererseits kann es auch brenzlig werden, sollte ein Alarm ausgelöst werden. Im Notfall müssen die frischgebackenen Eltern haargenau wissen, was zu tun ist. Im schlimmsten Fall müssen sie ihre Kinder selbst reanimieren können. 

    Tatsächlich geht in der Zeit zu Hause der Alarm an. Jacob muss rasend schnell versorgt werden. Die Eltern bringen den Kleinen zurück in die Kinderklinik. Jacob hat Glück gehabt, er darf nach drei Tagen ständiger Beobachtung wieder zurück nach Hause.

    Direkt nach der Entlassung unterstützt eine ambulante Kinderkrankenschwester von der Stiftung SeeYou die Drillingsfamilie. Sie hilft den Eltern Schritt für Schritt gemeinsam den Familienalltag zu meistern. Sie macht Termine beim Kinderarzt, organisiert die Krankengymnastik, unterstützt die frühe Förderung - um nur einige ihrer Aufgaben zu nennen. Diese hochprofessionelle, sozialmedizinische Nachsorge der Kinderkrankenschwester stärkt und stabilisiert die überforderte Drillingsfamilie. Jacob, Finn und Niklas können so körperlich und seelisch von klein auf gefördert werden und sich bestens entwickeln.
     

  • Ein Besuch bei der Diabetes-Schulung

    „Wie lange habt ihr schon Diabetes?" fragte Jens die sechs anwesenden Mädchen und Jungen. Aufgeregt berichtet ein jeder, wie lange er schon mit der Krankheit leben muss – zwei Jahre, vier Jahre oder sogar schon seit dem 21. Lebensmonat - und wie das Insulin verabreicht wird. Der Psychologe des Wilhelmstifts stimmt die sechs jungen Teilnehmer auf die Schulungswoche am Kinderkrankenhaus ein.

     

    Die Mädchen und Jungen im Alter von acht bis neun werden fünf Tage lang an der Diabetesnachsorge teilnehmen. Ernährung, Bewegung und das Leben mit Diabetes sind die großen Themen der Woche. Sie alle haben gemeinsam, dass ihre Krankheit sie ihr ganzes Leben lang begleiten wird, denn sie haben Diabetes mellitus Typ 1. Das ist die häufigste Diabetesform bei Kindern und Jugendlichen. Ursache ist der Verlust der körpereigenen Insulinbildung. Wird mit der Krankheit nicht richtig umgegangen, so kann sie tödlich enden.

     

    Jeweils zwei Kinder teilen sich für den Aufenthalt ein Zimmer im PATRIZIA KinderHaus auf dem Gelände des Kinderkrankenhauses. Aufgeregt flitzen sie über den Flur und der Eindruck entsteht, dass hier eine Klassenfahrt stattfindet. Mit kindlicher Leichtigkeit und in kindgerechter Atmosphäre lernen die sechs jungen Teilnehmer lebenswichtige Aspekte ihrer Krankheit. Jeden Tag stehen Sport und Ernährungseinheiten auf dem Stundenplan. Sie nehmen alle Mahlzeiten zusammen ein, kochen und lernen gemeinsam. Oftmals entstehen Freundschaften, die auch lange nach der Schulungswoche andauern, den mobilen Endgeräten von heute sei Dank.

     

    Etwa zwölfmal im Jahr lädt das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift zur Diabetesnachsorge ein. Leider viel zu selten, betrachtet man den steigenden Bedarf. Denn das Kinderkrankenhaus betreut rund 500 Kinder und Jugendliche, die an Diabetes erkrankt sind. Ein Team aus Kinderdiabetologen, Diabetesberatern, Psychologen, Ökotrophologen, Sozialpädagogen, Physiotherapeuten und spezialisierten Kinderkrankenschwestern, u.a. von SeeYou, begleitet die sechs Jungen und Mädchen die ganze Woche und steht zu jeder Zeit für alle Rückfragen zur Verfügung.

     

    Das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift ist eine von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifizierte Einrichtung zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus. Ziel der einwöchigen Schulungseinheit ist es, dass die Kinder lernen, sicher im Alltag mit ihrer Krankheit umzugehen. Ihnen soll verdeutlicht werden, wie sie mit Bewegung und der richtigen Ernährung ihrer Krankheit begegnen können, dass ein Leben mit Diabetes genauso lebenswert ist, aber auch welche Konsequenzen falsches Handeln haben kann. Auch die Eltern werden zu Beginn und zum Ende der Woche mit eingebunden, damit auch sie sich sicherer mit der Krankheit ihrer Kinder fühlen und mögliche Ängste und Sorgen abgebaut werden.
     

Geschichten aus dem Alltag der Babylots*innen

  • Babylots*innen unterstützen auf dem Weg ins Familienleben

    Nach drei Fehlgeburten wird der Traum für Mara und Janek* endlich wahr: Sie bekommen ein Baby. Unbändige Freude mischt sich mit leisen Sorgen und Ängsten. Frühzeitig muss Mara aufhören zu arbeiten, zu risikobehaftet ist die Schwangerschaft. Über Monate darf sie das Bett nicht verlassen und fühlt sich so zunehmend sozial isoliert. Viel zu früh setzen die Wehen ein, Mara kommt ins Krankenhaus, ein Notkaiserschnitt muss durchgeführt werden. Janek schafft es nicht, rechtzeitig bei seiner Frau zu sein und ihr bei der Geburt beizustehen - ein traumatisierendes Erlebnis für die junge Mutter. Der Sohn des jungen Paares, Milan*, muss beatmet werden und kommt mit Magensonde auf die Kinderintensivstation des Krankenhauses. Die Eltern sind stark verängstigt und können die Situation schwer einordnen. Sie möchten nur mit ihrem kleinen Milan nach Hause.


    Die Stationsschwester lernt das junge Paar kennen, erfasst die Situation und ist sich sicher: die beiden benötigen dringend Unterstützung. Im Haus arbeitet eine Babylotsin, Anne, die sie kontaktiert und ihr den Fall schildert. Direkt nach dem Anruf besucht Anne Mara und Janek auf der Station, um ihre Hilfe anzubieten. Das Paar ist sehr dankbar für die Unterstützung, denn sie fühlen sich von der Situation überfordert. Außerdem ist die finanzielle Situation der beiden angespannt. Durch die frühzeitige Geburt von Milan fehlt es an einer Erstausstattung für das Baby. Auch haben sie noch keine Hebamme oder einen Kinderarzt – in einigen Städten oder Landkreisen kann das eine Suche über Monate bedeuten. Familie und Verwandte der beiden können nur bedingt helfen, da sie nicht in der Nähe wohnen.


    Gemeinsam mit Anne erstellen Mara und Janek einen Plan mit den dringlichsten Aufgaben. Beide haben sprachliche Defizite und scheuen Behördengänge oder Anträge, versprechen aber sich zu bemühen und soweit möglich die Aufgaben selbstständig zu erledigen. Anne versucht die Ressourcen der jungen Familie zu erkennen und diese zu mobilisieren. Alle zwei Tage wollen die drei telefonieren und sich abstimmen. Die Babylotsin Anne begibt sich auf die Suche nach einer Hebamme und einem Kinderarzt in Wohnortnähe. Auch eine Erstausstattung für den kleinen Milan organisiert sie. Mara und Janek kümmern sich um notwendige Unterlagen, wie Kindergeld- und Elterngeldantrag, Krankenkasse, Wohngeld und Kinderzuschlag. Bei sprachlichen Hürden steht ihnen Anne zur Seite. Sie organisiert zuätzlich eine umfassende Beratung im Familienplanungszentrum, um mögliche finanzielle Hilfen und weitere Unterstützungen abzuklären.


    Die ersten Ängste, alleine mit Milan nach Hause zu gehen, verflüchtigen sich schnell und Mara und Janek finden sofort in ihre neue Rolle als Mutter und Vater. Für ein letztes Treffen besucht Anne die junge Familie zuhause und sieht mit Freude: Herzlichkeit und Liebe prägen das Familienleben. Die drei sind auf einem guten Weg, haben die angebotenen Hilfen angenommen und konnten so viele Baustellen aus dem Weg räumen.


    Sprachliche Barrieren rufen bei vielen Familien Ängste und Sorgen hervor und erscheinen anfangs unüberwindbar. Die Babylots*innen in den Geburtskliniken sorgen dafür, dass die Familien die passende Hilfe und Unterstützung an der richtigen Stelle erhalten und lotsen sie sicher weiter, so dass einem guten Start ins Familienleben nichts im Weg steht.

     

    *Namen wurden geändert
     

  • Wenn alles zu viel wird

    Die Arbeit einer Babylotsin kann auch nach der Geburt vielschichtig sein, wie der folgende Fall aus der ambulanten Praxis zeigt: Eine Mutter mit vier Kindern ist akut überfordert, erhält eine schwerwiegende Diagnose für sich und eines ihrer Kinder und bürokratische Ansprüche fordern die junge Familie zusätzlich.

     

    Erhöhter Beratungsbedarf liegt vor
    Im Rahmen der U-Untersuchungen ihres Neugeborenen fällt die Mutter in der Kinderarztpraxis auf. Sie wirkt erschöpft und weint. Die in der Kinderarztpraxis tätige, speziell geschulte medizinische Fachangestellte (MFA) nimmt sich der Frau an und spricht mit ihr über ihre Situation. Schnell wird klar: hier liegt ein erhöhter Beratungsbedarf vor. Mit Einverständnis der Mutter stellt die MFA den Kontakt zur zuständigen Babylotsin her.

     

    Der familiäre Alltag als Belastung
    Die Mutter ist mit ihrem Ehemann vor acht Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Gemeinsam haben sie einen Sohn, 7 Jahre alt, der eine starke körperliche und geistige Behinderung hat und im Rollstuhl sitzt. Außerdem haben sie drei Töchter im Alter von 6 und 4 Jahren und 3 Monaten. Die letzte Schwangerschaft war ungeplant und ein Schock für die Mutter. Den Alltag mit vier Kindern zu meistern ist für sie schwer vorstellbar. Besonders die Wochenenden, an denen ihr ältester Sohn nicht betreut wird, bereiten ihr Sorgen. Bereits in der Schwangerschaft wird bei der Mutter eine schwere Depression festgestellt. Nach der Geburt ist sie körperlich und emotional erschöpft, distanziert zu ihrem Kind und mit der Strukturierung des Alltags überfordert. Für die bevorstehenden Herbstferien ist die Betreuung der älteren Kinder noch nicht geklärt. Auch Anträge auf Kinder- und Elterngeld hat sie nicht gestellt. Vor Ort hat die Familie kaum soziale Kontakte. Ihre Verwandten leben in Afghanistan. Ein entfernter Onkel kann nur sporadisch helfen. Der Vater ist vollberufstätig und arbeitet oft an den Wochenenden. Es gibt keine Freunde und Bekannte, die die Familie unterstützen können.

     

    Erste Schritte mit der Babylotsin
    Zunächst muss die Mutter direkt entlastet werden. Die Babylotsin erarbeitet gemeinsam mit ihr Wege, um im Alltag eine Entlastung für die Familie zu finden. Die Bindung von Mutter und Neugeborenem ist durch die komplexe Problemlage belastet und muss gestärkt werden. Zudem benötigt die Mutter eine wohnortnahe, kontinuierliche Beratungsmöglichkeit, die bei sozialrechtlichen Fragen und Anträgen unterstützt. Die Babylotsin organisiert für die älteren Töchter eine Ferienbetreuung in der Nähe des Wohnortes. Eine Stiftung übernimmt außerdem eine Lesepatenschaft für die beiden Mädchen, um die Familie unter der Woche zusätzliche zu entlasten. In einem Gespräch mit dem Träger der Hilfe für Menschen mit Behinderung, der für den Sohn zuständig ist, wird die Familie über ihre Rechte und Möglichkeiten der Ferien- und Wochenendbetreuung ihres Sohnes aufgeklärt. Über die Elternschule findet die Babylotsin eine Ehrenamtliche, die die Familie im ersten Lebensjahr des Neugeborenen wöchentlich unterstützt. Um die Mutter für ihre Aufgaben zu stärken, hilft die Babylotsin bei der Suche nach einem Therapieplatz in ihrer Region. Zusätzlich begleitet sie Mutter und Neugeborenes in das offene Angebot der Elternschule, wo sich die Mutter für einen Rückbildungskurs mit Kind anmeldet, sowie zu einer wohnortnahen sozialrechtlichen Beratungsstelle der AWO. Dank dieser Einrichtungen kann die Mutter zukünftig soziale Kontakte zu anderen Eltern knüpfen und bei Anträgen und Fragen unterstützt werden. Gemeinsam kontaktieren Mutter und Babylotsin die betreuende Krankenkasse der Familie und suchen außerdem den Gesundheitskiosk auf, der die Familie bei der Beantragung einer Mutter-Kind-Kur unterstützt.

     

    Einen Lotsen an der Seite
    In dieser Situation mit unterschiedlichen komplexen familiären Belastungen hilft es, wenn jemand den Überblick behält. Jemand, mit dem man gemeinsam einen Fahrplan entwickelt, der einen durch die einzelnen Schritte lotst und passende Möglichkeiten zur Entlastung aufzeigt, die man noch nicht kannte. In einer komplexen Belastungslage eine bedürfnisorientierte und passgenaue Unterstützung für Familien zu ermöglichen, ist eine der zentralen Aufgaben einer Babylotsin.

  • Gehörlos in den Kreißsaal: Die Angst um den kleinen Devin Can

    Die Freude über die Schwangerschaft weicht mit jedem Tag der Angst vor dem nahenden Termin: „Wird die Geburt schiefgehen, weil ich die Anweisungen der Hebammen und Ärzte nicht verstehe?", fragt sich Sibel aus Hamburg immer häufiger. Die 29-Jährige ist gehörlos, ihr Ehemann Seckin schwer hörgeschädigt. Eine Gebärdendolmetscherin könnte bei der Geburt helfen, doch die Suche des jungen Paares läuft ins Leere – auch, weil es nicht weiß, wie es die Hilfe bezahlen soll. Sorgen machen sich die beiden auch, weil sie keine geeignete Nachsorgehebamme finden. Und wie können sie ihr Baby fördern, wenn es hörend auf die Welt kommt?

     

    Bei der Anmeldung im Geburtskrankenhaus hat Sibel viele Fragen rund um die Geburt und große Angst, dass ihre Wünsche in der Klinik nicht wahrgenommen werden. Doch die Hebamme erkennt beim ersten Kontakt die Probleme und informiert das Team der Babylotsen. Die erfahrene Babylotsin Tina Wilson nimmt noch während der Anmeldung Kontakt zu dem jungen Paar auf. Gemeinsam mit Sibel und Seckin organisiert sie eine Gebärdendolmetscherin für die Geburt, klärt über mögliche Anträge wie Kindergeld und Elterngeld auf und erledigt Telefonate, die das Paar allein nicht führen kann.

     

    Jetzt fühlen sich die jungen Eltern gut aufgehoben und sind bereit für den großen Tag. Eine Gebärdendolmetscherin übersetzt die Anweisungen der Hebamme im Kreißsaal und nach acht Stunden kommt schließlich der kleine Devin Can auf die Welt – gesund und hörend. Sibel ist glücklich und stolz: „Mit Hilfe der Dolmetscherin habe ich die Geburt ohne eine PDA geschafft." Doch das Stillen bereitet der jungen Mutter große Schwierigkeiten. Zum Glück hat die Babylotsin noch vor der Geburt den Kontakt zur ersten Stillberaterin mit Gebärdendolmetscherin hergestellt. Sibel erhält Hilfe und nach nur wenigen Tagen trinkt der kleine Devin Can problemlos an der Brust. Eine geeignete Nachsorgehebamme kümmert sich in der ersten Zeit um die junge Familie und auch ein Rückbildungskurs wird gefunden.

     

    Auch für die folgenden Probleme wappnet die Babylotsin die Eltern: Für ein hörendes Kind gehörloser Eltern ist der Kontakt zu Hörenden besonders wichtig. Sibel und Seckin möchten ihren kleinen Sohn bestmöglich fördern, wissen aber nicht wo. Die Babylotsin sucht für die Familie eine geeignete Frühfördereinrichtung, die sie in einigen Wochen aufsuchen können. "Es hat alles super geklappt", schreibt Sibel heute. "Danke an die Babylotsen. Ohne sie hätten wir unsere Probleme nicht lösen können."
     

  • Keine Sprache - keine Hilfe?

    Der vorliegende Fall verdeutlicht, dass mangelnde Sprachkenntnisse bei Geburt eines Kindes schnell zu einem scheinbar unüberwindbaren Berg an ungeklärten Fragen und Problemen führen können.

     

    Kontaktaufnahme
    Eine Schwester berichtet der Babylotsin von einem Paar, dessen kurz zuvor geborener Sohn unter Beatmung und mit Magensonde auf der Neonatologischen Station liegt, weil er zu früh auf die Welt gekommen war. Die Eltern sind verängstigt durch die ungeklärte gesundheitliche Entwicklung ihres Sohns und zeigen sich unsicher beim Ausfüllen der notwendigen Unterlagen für die Ausstellung der Geburtsurkunde.

     

    Ausgangslage
    Die Familie befindet sich in einer schon länger vorliegenden Ausnahme- und damit lang anhaltender Überlastungssituation. Die finanzielle Ausstattung ist sehr dürftig, die Risikoschwangerschaft hatte die Mutter über Monate ans Bett gefesselt und damit sozial isoliert. Voraus gegangen waren drei vorzeitig beendete Frühschwangerschaften. Wegen der damit verbundenen Ängste und dem vorzeitigen, traumatisierenden Notkaiserschnitt, zu dem der Vater nicht mehr rechtzeitig eintreffen konnte, gibt es keine Erstausstattung. Auch eine Hebamme ist noch nicht installiert. Sprachliche Defizite erschweren die notwendigen Behördengänge und die Informationsbeschaffung über mögliche Hilfsangebote. Insgesamt ist die Familie damit überfordert, die anstehenden Aufgaben zu ordnen und zu bearbeiten, zeigt sich aber im Gespräch mit der Babylotsin als sehr offen und kooperativ.

     

    Soziales Umfeld
    Die Mutter der Kindsmutter lebt in Deutschland, ist aber selber sehr krank. Es gibt eine Schwester, die mit ihrer Familie ebenfalls in Hamburg lebt und der Familie trotzt eigener Finanzknappheit Möbel schenkt und Geld leiht.

     

    Hilfebedarf
    Die grundlegende Aufgabe der Babylotsin ist es in diesem Fall, den Berg an Fragen und Aufgaben zu erfassen, gemeinsam mit der Familie zu sortieren und Schritt für Schritt zu bearbeiten. Ganz konkret geht es zunächst darum, eine Hebamme und einen in der Nähe gelegenen Kinderarzt ausfindig zu machen, eine Erstausstattung zu organisieren und die Ansprüche der Familie gegenüber verschiedenen Stellen zu klären, beispielsweise die Frage der Elternzeit gegenüber den Arbeitgebern.

     

    Beratung/Vermittlung
    Während die Eltern aufgrund ihrer schlechten Deutschkenntnisse große Hemmungen davor haben, Telefonate zu führen, sind sie gegenüber der Babylotsin sehr aufgeschlossen und nehmen ihre Unterstützung und Beratung gern an. Daher erarbeitet die Babylotsin zusammen mit den Eltern zunächst einen Plan mit zu erledigenden Aufgaben, die die Eltern soweit möglich selbständig und in enger Abstimmung mit der Babylotsin bewältigen. In einem zeitlich engen Kontakt (alle zwei Tage telefonisch oder persönlich) erarbeitet sich die Familie so Schritt für Schritt die verschiedenen Unterlagen für Geburtsurkunde, Eltern- und Kindergeldantrag, Krankenkasse, Wohngeld und Kinderzuschlag.

     

    Da das selbständige Finden einer Hebamme anhand einer ausgehändigten Adressliste nicht klappt, lässt die Babylotsin ihre Kontakte spielen und trägt damit zu einer wesentlichen Entlastung der Mutter bei. Die in der Klinik geäußerten Befürchtungen, das eigene Kind zu Hause auch aufgrund der eigenen schlechten Gesundheit nicht angemessen versorgen zu können, verflüchtigen sich dadurch rasch. Den Vorschlag, eine Beratung bezüglich finanzieller Hilfen im Familienplanungszentrum wahrzunehmen, greifen die Eltern gern auf. Bei einem abschließenden Hausbesuch zeigt sich, dass die übergroßen Ängste der Eltern gewichen sind und der Umgang mit dem Kind sicher und von großer Herzlichkeit geprägt ist. Damit ist die Aufgabe der Babylotsin, verbunden mit dem Angebot, bei Problemen erneut Kontakt aufzunehmen, beendet.

     

    Fazit
    Familien mit Migrationshintergrund und mangelnden Deutschkenntnissen vermeiden Anrufe bei fremden Personen (Behörden) und können so viele Angebote nicht wahrnehmen. Es ist wichtig, die Ressourcen der Familie zu erkennen und sie in die Bearbeitung ihrer Aufgaben einzubeziehen, anstatt sie einfach „zu bedienen“. Um das richtige Verhältnis von Unterstützung und Anleitung zu finden, ist viel Einfühlungsvermögen, Verständnis und Empathie nötig.
     

  • Mit vielen Fragen allein gelassen

    Wie wichtig ein gutes tragendes soziales Netz ist, wird meist besonders in belastenden Situationen deutlich. Ohne Unterstützung und Hilfe kann eine Schwangerschaft mit all ihren Fragen und Sorgen zur Belastungsprobe werden.

     

    Kontaktaufnahme

    In der Frauenarztpraxis fällt eine 28-jährige Patientin auf, die ungeplant schwanger ist. Die Medizinische Fachangestellte (MFA) füllt mit ihr einen Anhaltsbogen aus, einen Bogen, der mögliche Belastungen der Mutter aufzeigt. Dieser ist auffällig. In einem ersten Gespräch wird deutlich, dass die Frau mit der Situation überfordert ist. Es gibt kein familiäres Netz in Hamburg. Zusätzlich hat sie ein diagnostiziertes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS). Nach Rücksprache mit der Patientin, berichtet die MFA der Babylotsin von dem Fall.

     

    Ausgangslage

    Die Babylotsin trifft sich mit der schwangeren Frau. Es ist ihre erste Schwangerschaft. Sie ist voll berufstätig. Ihre Eltern wohnen in Süddeutschland. Es gibt keine familiären Strukturen oder enge Freundschaften in Hamburg. Kurze Zeit hatte die angehende Mutter über einen Abbruch nachgedacht, sich jedoch umentschieden. Der Kindsvater war nur kurze Zeit in Deutschland und lebt im Ausland. Die beiden kennen sich nicht lange. Die 28-Jährige ist sich über die Beziehung nicht sicher. Sie plant ihn zu besuchen, um sich über ihr Verhältnis klar zu werden. Zum Ende der Schwangerschaft wird sie zu ihren Eltern nach Süddeutschland ziehen. Ihre finanzielle Situation ist gut. Die Kindsmutter sorgt sich allerdings, dass sie die Diagnose ADS an ihr Kind weitergeben könnte.

     

    Hilfebedarf

    Die schwangere Frau war schon eigenständig bei einer Beratungsstelle, hat jedoch weiterhin offene Fragen zum Mutterschutz, zum Elterngeld und zur Elternzeit. Sie spielt mit dem Gedanken, den Kindsvater zu heiraten und zu ihm ins Ausland zu ziehen und hat dazu rechtliche Fragen. Die Gespräche mit der Babylotsin sind für die werdende Mutter wichtig. Sie kann sich schwer vorstellen ein Kind zu bekommen und hat Angst wie ihr Arbeitgeber reagiert. Aufgrund ihres ADS fühlt sie sich unkonzentriert und hat Angst, Informationen zu vergessen oder falsch zu verstehen. Wiederholt ruft sie daher die Babylotsin an oder schreibt ihr E-Mails. Die Babylotsin erlebt die Frau als emotional bedürftig. Der Kontakt zur Babylotsin gibt ihr Sicherheit. 

     

    Beratung / Vermittlung

    Für die Babylotsin ist es wichtig, dass sich die Kindsmutter ein umfassendes Bild zu ihren offenen Fragen machen kann. So erhält sie eine Vorstellung, wie sie mit Baby und gleichzeitig als Mutter leben kann und auf welche Unterstützung sie zurückgreifen kann. Die Babylotsin rät ihr die Evangelische Auslandberatung zu kontaktieren und eine mögliche Auswanderung durchzusprechen. Außerdem empfiehlt sie der jungen Frau sich beim Jugendamt zur Vaterschaftsanerkennung und Sorgerecht beraten zu lassen, und die Beratungsstelle für Frauen anzurufen, die bei einer psychischen Stabilisierung unterstützen können. Die Babylotse erinnert die Mutter daran, eine Hebamme zu suchen, und stellt den Kontakt zu den Frühen Hilfen in Süddeutschland her. So erhält die Kindsmutter direkt nach dem Umzug Unterstützung vor Ort. Die werdende Mutter ist dankbar für die Hilfe, tut sich jedoch teils schwer bei der Umsetzung. Da sie weiterhin Vollzeit arbeitet und über kein soziales Netz verfügt, fehlt ihr die Zeit um offene Punkte umzusetzen. Die junge Frau hat immer wieder neue Fragen und Ideen, geplante Schritte verzögern sich. Dabei sucht sie immer wieder den Kontakt zur Babylotsin.

    Zu Beginn des Mutterschutzes zieht die junge Frau zu ihren Eltern nach Süddeutschland. In dem Umfeld fühlt sie sich sicher. Schon vor der Geburt begleiten und unterstützen die Hebamme und die Frühen Hilfen die Mutter. Der Kindsvater kommt vier Wochen vor der Geburt nach Deutschland und bleibt vorerst für drei Monate bei Mutter und Kind. Er hat die Vaterschaft anerkannt. Eine gemeinsame Sorgerechtserklärung zögert die Mutter noch hinaus, da sie befürchtet, dass diese nach einer gescheiterten Partnerschaft nachteilig für sie ausfällt.

     

    Fazit

    Alleine vor vielen ungeklärten Fragen und offenen Punkten stehen, ist eine Situation, die überfordern kann – zumal als werdende Mutter. Gespräche und die richtigen passenden Angebote aufgezeigt zu bekommen, können helfen und einem Sicherheit zurückgeben.