Geburtskliniken in freigemeinnütziger Trägerschaft bei Lotsendiensten Frühe Hilfen und Babylotsen bundesweit führend

Eine Studie des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH)1 zeigt: Geburtskliniken sind wichtige Kooperationspartner im Netzwerk Frühe Hilfen. Nirgendwo lassen sich mehr Familien erreichen, da hier 98 Prozent aller Kinder zur Welt kommen. Aus diesem Grund ist die Geburtsklinik ein idealer Ort, um alle Familien und besonders auch Familien in belastenden Lebenslagen schon früh anzusprechen, sie über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren, zu beraten und überzuleiten – sofern notwendig. 

Geburtskliniken haben dieses Potenzial erkannt und bieten bereits eine Vielzahl von Lotsenaktivitäten und -diensten an, um Familien mit Unterstützungsbedarfen in Geburtskliniken anzusprechen und im Bedarfsfall in Angebote Früher Hilfen vor Ort zu „lotsen“. Lotsendienste Frühe Hilfen finden sich überwiegend in Geburtskliniken in freigemeinnütziger/konfessioneller (45 Prozent) und öffentlich-rechtlicher (44 Prozent) Trägerschaft. Bei Kliniken in privater Trägerschaft sind es nur 11 Prozent. Darüber hinaus gibt es Lotsendienste häufiger in Kliniken mit hohen Geburtenzahlen und in (Groß-)Städten. 

Zunehmend erkennen Krankenhäuser den eigenen Vorteil von Lotsendiensten. Positive Effekte für die Klinik zeigen sich insbesondere in der zeitlichen und emotionalen Entlastung des Stationspersonals: Wenn Lotsendienste etabliert sind, übernehmen speziell ausgebildete Fachkräfte die Verantwortung für das Wohl der Familien nach der Entlassung aus der Klinik. 

In Kooperation mit der Stiftung SeeYou des Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg, fördern der Katholische Krankenhausverband Deutschland (KKVD) und der Deutsche Caritasverband e.V. seit 2015 die Ausweitung des Programms Babylotse, das 2007 in Hamburg von der Stiftung SeeYou initiiert wurde. Mit Erfolg: Heute sind Babylots*innen in acht Bundesländern an mehr als 60 Geburtskliniken– flächendeckend in Berlin, Frankfurt und Hamburg – sowie in 31 Frauen- und Kinder- und Jugendarztpraxen im Einsatz. 18 der Kliniken mit Babylotsen sind (= 30 Prozent) in katholischer Trägerschaft. Mittlerweile erreicht das Programm jährlich mehr als 100.000 Familien, das entspricht über 15 Prozent aller Geburten in Deutschland. 

Tendenz steigend: Zu den vorhandenen Standorten kommen zeitnah zwei weitere katholische Kliniken hinzu, die sich im Sommer über eine Förderzusage der Stiftung Deutsches Hilfswerk/Fernsehlotterie freuen konnten: das Marien Hospital in Düsseldorf (Start 01.01.2021) und das Hohenloher Krankenhaus in Öhringen (Start 1.12.2020) . Beide Standorte realisieren das Programm als Tandem bestehend aus den Fachkräften der Geburtsklinik und den Fachkräften mit Expertise für die Frühen Hilfen. In Düsseldorf ist der Caritasverband mit seinem Jugendhilfebereich Tandempartner der Geburtsklinik, in Öhringen ist es der Caritasverband mit der Schwangerschaftsberatung. Der Trend dürfte anhalten, denn bereits jetzt bereiten weitere 12 Kliniken die Programmeinführung für 2021 vor, 4 davon in katholischer Trägerschaft.