Digitalisierung bei SeeYou

Die SARS-CoV-2-Pandemie beschleunigt Pläne und Projekte zur Digitalisierung auf der ganzen Welt. Auch die Stiftung SeeYou hat in den vergangenen Wochen diesbezüglich eine beeindruckende Entwicklung erlebt. Bereits im vergangenen Newsletter habe ich über die dynamische Entwicklung von Telefon- und Videokonferenzen berichtet, über die neuen Kompetenzen, die wir alle dazu in kürzester Zeit erwerben mussten (und durften). Und nicht nur in den Teams, auch zu den Klient*innen und Patient*innen fanden sich neue Wege der Kommunikation.
Tatsächlich beschäftigt sich die Stiftung allerdings schon eine ganze Weile mit der Frage, was wir eigentlich unter Digitalisierung verstehen und welche Chancen und Risiken für unsere Arbeit, für die von uns begleiteten Familien und für die soziale Arbeit insgesamt damit verbunden sind. Dazu gehört auch die Frage, wie wir die diesbezüglichen Kompetenzen in der Stiftung erhöhen können, wie wir unsere Mitarbeitenden fit machen für die Zukunft und wie wir diese Aspekte bei der Auswahl neuer Kolleginnen und Kollegen berücksichtigen, wie wir also unsere Stärken im Hinblick auf die Digitalisierung erweitern können.
Was verstehen wir unter Digitalisierung? Der Begriff bedeutet im medizinischen Umfeld zunächst einmal die Behandlung eines Patienten mit einem Herzmedikament, den Digitalispräparaten. Im technischen Sinne versteht man darunter die Umwandlung analoger Daten in digitale Formate, um sie so einer digitalen Informationsverarbeitung zu erschließen. Um welche Daten es sich dabei handelt, ist dabei sekundär, möglich ist dies für alle Arten von Daten, die mittels eines Sensors oder einer anderen Form von Schnittstelle messbar bzw. der digitalen Verarbeitung zugänglich sind.
Heute versteht man unter Digitalisierung oftmals auch die Veränderung von Arbeits- und privaten Welten, also die digitale Transformation. Dazu gehört bei SeeYou im Rahmen der digitalen Erfassung von Daten z.B. eine elektronische Klienten-Dokumentation. Dazu gehört aber auch die Verfügbarkeit der Daten überall dort, wo sie von den Stiftungsmitarbeitenden benötigt werden, in unserem Fall durch Schaffung von mobilen Arbeitsplätzen (Laptop, Smartphone, mobile Router). Im Kernprozess bedeutet dies, dass eine Babylotsin unabhängig von ihrem stationären Arbeitsplatz zum Beispiel am Bett der Wöchnerin nach geeigneten Hilfsangeboten für eine spezifische Familie suchen kann. Dazu gehört auch, dass die kumulativen Daten der Babylotsen in Deutschland ausgewertet und zur politischen Kommunikation genutzt werden können. Es sind aber noch zahllose weitere Möglichkeiten vorstellbar, die Arbeit für die Familien zu verbessern, zu beschleunigen und zu vereinfachen.
Hierzu hat SeeYou bereits im März 2019 einen sehr spannenden Workshop veranstaltet, damals unter externer Beteiligung von Sozialverband, Krankenkasse und Industrie. Inhalt des Workshops war die Identifikation von Teilbereichen der Stiftungsarbeit, die einer digitalen Transformation zugängig sind. Dies geschah mit dem Ziel, den Wirkungsgrad der Mitarbeitenden bei SeeYou und damit die Wirkung der Stiftung zu steigern. Es wurden insgesamt 45 Ideen und Potentiale erfasst und in die Bereiche Datensicherheit, externe Kommunikation, Online-Beratung, Selbsthilfe und Prozessdigitalisierung geclustert. Gezielt wurden dazu in den vergangenen Monaten Ressourcen aufgebaut bzw. gestärkt, um im nächsten Jahr eine Reihe von Projekten zur Realisierung der so identifizierten Potentiale durchzuführen.
Auch bei SeeYou werden selbstverständlich auch Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Transformation diskutiert. So erscheint es derzeit noch unvorstellbar, den persönlichen Kontakt zu Familien z.B. durch Einsatz von künstlicher Intelligenz zu ersetzen. Auch wird es eine Herausforderung sein, den Einsatz digitaler Technologien gleichermaßen für alle Fachkräfte der Stiftung verfügbar und einsetzbar zu halten. Dieser Bedarf wurde gerade in der Corona-Pandemie sehr deutlich. Die Stiftung konnte darauf mit externer Unterstützung reagieren, indem die Mitarbeitenden durch gezielte Fortbildungen in den Office-Programmen in ihrer digitalen Kompetenz weiter gestärkt wurden. Zweifellos ist dies jedoch lediglich der Einstieg in eine dauerhafte Aufgabe: Es gilt, die digitale Transformation der sozialen Arbeit für alle beteiligten (und betroffenen) Anspruchsgruppen gleichermaßen zu erklären, zu diskutieren und dafür zu sorgen, dass weder Klient*innen noch Mitarbeitende auf diesem Weg zurückbleiben.