Tafreed - nicht nur in Zeiten von Corona eine Herausforderung

Mitten in der Corona-Krise kommt der kleine Tafreed mit einer unklaren Stoffwechselerkrankung und einer Herzmuskelschwäche in Hamburg zur Welt. Nach sieben langen Wochen u.a. auf der Kinderintensivstation im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift darf Tafreed endlich nach Hause. Doch die aus Pakistan stammende Familie, die erst vor wenigen Jahren in die Hansestadt gekommen ist, fühlt sich aufgrund der Erkrankung ihres Neugeborenen sehr ver-unsichert. Ihr Zuhause ist eine Einzimmerwohnung im 6. Stock einer Hochhaussiedlung, der Vater arbeitet als LKW-Fahrer Tag und Nacht, um die Familie zu ernähren und dann gibt es da auch noch die 1,5 Jahre alte Schwester.

Für unsere Kinder-Intensivkrankenschwester, die für die Stiftung SeeYou die Familie zwölf Wochen lang begleitet, eine große Herausforderung: wie kann sie zu der Familie, die kaum deutsch spricht, unter den veränderten Rahmenbedingungen in Zeiten von Corona Kontakt halten? Wie gelingt es ihr, sicherzustellen, dass die therapeutischen Maßnahmen auch zu-hause umgesetzt und die Medikamente regelmäßig verabreicht werden? Wie kann sie die Mutter, die aus Angst um ihr Kind, kaum alleine das Haus verlässt, aufbauen und unterstützen? Wie kann sie eine Eltern-Kind-Bindung fördern, die sich in den ersten Wochen nach der Geburt aufgrund des Krankenhausaufenthaltes nur schwer entwickeln konnte? Wie schafft sie es, auch der kleinen Schwester, die Angst zu nehmen?

Liebevoll und kompetent macht sich unsere Kinder-Intensivkrankenschwester an die Arbeit und hilft der Familie, Schritt für Schritt im Alltag zurechtzukommen und die medizinische Versorgung von Tafreed sicherzustellen. Sie kümmert sich um Termine bei Netzwerkpartnern, organisiert für die Mutter einen Deutschkurs (der leider noch nicht angefangen hat) und findet für sie einen Alltagsbegleiter, der ihre Muttersprache spricht, lernt die Eltern in der Verabreichung der Medikamente an und schult sie im Handling mit Tafreed. Darüber hinaus vernetzt sie die Familie mit dem interdisziplinären Team von SeeYou, wodurch diese sowohl in medizinisch-therapeutischen, als auch in sozialen Belangen Unterstützung erhält. All dies geschieht unter den erschwerten Bedingungen von Corona. Schnell zeigt sich aber, dass Telefonate und Videokonferenzen den häuslichen Kontakt nicht ersetzen können – nicht nur wegen der Sprachbarriere, sondern auch, weil die regelmäßige Gewichtskontrolle von Tafreed von großer Bedeutung ist.

Nach zwölf Wochen Begleitung durch die Fachkräfte von SeeYou ist eine deutlich positive Entwicklung in allen Bereichen zu erkennen. Tafreed gedeiht gut, es ist eine stabile Eltern-Kind-Bindung zu spüren und auch die große Schwester kommt mit der neuen Situation besser zurecht. Ein Antrag auf Pflegestufe 3 wurde gestellt und die Familie erhält Dank eines weiteren Antrags der Sozialpädagogin mehr finanzielle Unterstützung vom Amt. Die Familie konnte in eine größere Wohnung umziehen und bewohnt nun 2,5-Zimmer. Auch fanden konstruktive Gespräche mit dem Arbeitgeber des Vaters statt. In der Planung seiner LKW-Touren werden Arztbesuche von Tafreed berücksichtigt. Darüber hinaus war die Anbindung an das Familienteam erfolgreich und eine Hebamme besucht die Familie in den nächsten Monaten regelmäßig. Das medizinisch-therapeutische Netzwerk ist aufgebaut und Termine werden von der Familie eingehalten und die Unterstützung angenommen.

Dank des unermüdlichen Einsatzes unseres multiprofessionellen Nachsorgeteams und vieler weiterer Fachkräfte der Kinderklinik wurden Fortschritte bei der Krankheitsakzeptanz und –bewältigung erzielt und die soziale Integration der Familie dank Vernetzung zu allen relevanten Stellen des Gesundheits- und Sozialnetzes auf den Weg gebracht. Trotz der Belastung kann die Familie in eine gelingende Zukunft vertrauen.