Diabetes: Ein Leben voller rechnen, wiegen und messen

Hanadi ist 11Jahre alt, als sie erfährt, dass sie an Diabetes Typ1 erkrankt ist. Die Herbstferien muss das Mädchen im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg verbringen. Zahlreiche Untersuchungen und erste Schulungen im Krankenhaus folgen. Einen Tag nach der Entlassung besucht die Diabetesberaterin und Diätassistentin Kea Diederichs das junge Mädchen. Normalerweise, mit der Finanzierung der Krankenkassen, wäre eine so zeitnahe Betreuung nach Entlassung nicht denkbar. Der Lions Club Lüneburg ermöglicht diese unkomplizierte und unmittelbare Aufnahme der Nachsorge und nimmt der Familie so große Sorgen.

Hanadi war fünf Jahre alt, als sie mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen ist. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern in Lüneburg. Das Familienleben ist herzlich und liebevoll, die Eltern zeigen sich jedoch sehr unsicher im Umgang mit der Erkrankung ihrer Tochter. Sprachliche Bildungsdefizite spielen eine Rolle. Besonders im Umgang mit der Berechnung von Kohlenhydraten scheinen sie überfordert. Gemeinsam mit der Nachsorgeschwester Kea bereitet Hanadi Mahlzeiten zu und lernt so, wie sie ihre Insulinbehandlung an das Essen anpassen kann. Ihre ältere Schwester bringt sich ebenfalls stark ein, unterstützt Hanadi und lässt sich schulen, um im Notfall zu helfen zu. Gemeinsam finden sie einen alltäglichen Weg, um mit der Krankheit umzugehen.

Kea vereinbart einen Termin in der Schule der 6. Klässlerin, klärt die Lehrer auf, schult sie im Umgang mit der Krankheit und nimmt so Berührungsängste. Für den Sportunterricht berechnen die beiden gemeinsam die exakte Insulindosis, damit Hanadi keine Unterzuckerung erleidet. So wird das junge Mädchen Stück für Stück an einen sicheren Umgang mit Diabetes herangeführt.

Wöchentlich besucht Kea die Familie und beantwortet offene Fragen. Hanadi zeigt viel Engagement, sammelt Verpackungen mit Ernährungshinweisen und ist gewissenhaft im Umgang mit ihrer Erkrankung. Parallel dazu tauscht sich Kea Diederichs mit ihren Kolleginnen am Wilhemstift aus. Das multiprofesionelle Nachsorgeteam aus Kinderkrankenschwestern, Sozialpädagoginnen, Ärzten und Psychologin ist eine wichtige Stütze für die Diabetesberaterin und erleichtert die Erstellung eines Fahrplans.

Nach der 3-monatigen Begleitung durch Kea, kann Hanadi die Insulindosis sicher selber berechnen, ist geschult im Umgang mit dem Messgerät und kennt die eigenen Grenzen. Und trotz dieser guten Basis fällt es ihr immer noch schwer, die Erkrankung als Teil ihres weiteren Lebens zu akzeptieren und anzunehmen.

Drei Wochen nach Beginn der Diabetes-Nachsorge durch Kea Diederichs kommt ein Ablehnungsschreiben der Krankenkasse. Sie sieht die Notwendigkeit einer Nachsorge im Fall von Hanadi nicht gegeben und lehnt die Kosten ab. Eine erneute Prüfung fällt ebenfalls negativ aus. Ohne die Unterstützung durch den Lions Club Lüneburg hätten Hanadi und ihre Familie selber lernen müssen, mit der Krankheit umzugehen, hätten die Hürden eigenständig nehmen und sich das notwendige Wissen selber aneignen müssen. Ein mühseliger und auch sorgenvoller Weg wäre es geworden.

Diabetes mellitus Typ 1 ist die häufigste Diabetesform bei Kindern und Jugendlichen. Ursache ist der Verlust der körpereigenen Insulinbildung.