Mit vielen Fragen allein gelassen

Wie wichtig ein gutes tragendes soziales Netz ist, wird meist besonders in belastenden Situationen deutlich. Ohne Unterstützung und Hilfe kann eine Schwangerschaft mit all ihren Fragen und Sorgen zur Belastungsprobe werden.

Kontaktaufnahme

In der Frauenarztpraxis fällt eine 28-jährige Patientin auf, die ungeplant schwanger ist. Die Medizinische Fachangestellte (MFA) füllt mit ihr einen Anhaltsbogen aus, einen Bogen, der mögliche Belastungen der Mutter aufzeigt. Dieser ist auffällig. In einem ersten Gespräch wird deutlich, dass die Frau mit der Situation überfordert ist. Es gibt kein familiäres Netz in Hamburg. Zusätzlich hat sie ein diagnostiziertes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS). Nach Rücksprache mit der Patientin, berichtet die MFA der Babylotsin von dem Fall.

Ausgangslage

Die Babylotsin trifft sich mit der schwangeren Frau. Es ist ihre erste Schwangerschaft. Sie ist voll berufstätig. Ihre Eltern wohnen in Süddeutschland. Es gibt keine familiären Strukturen oder enge Freundschaften in Hamburg. Kurze Zeit hatte die angehende Mutter über einen Abbruch nachgedacht, sich jedoch umentschieden.

Der Kindsvater war nur kurze Zeit in Deutschland und lebt im Ausland. Die beiden kennen sich nicht lange. Die 28-Jährige ist sich über die Beziehung nicht sicher. Sie plant ihn zu besuchen, um sich über ihr Verhältnis klar zu werden. 

Zum Ende der Schwangerschaft wird sie zu ihren Eltern nach Süddeutschland ziehen. Ihre finanzielle Situation ist gut. Die Kindsmutter sorgt sich allerdings, dass sie die Diagnose ADS an ihr Kind weitergeben könnte.

Hilfebedarf

Die schwangere Frau war schon eigenständig bei einer Beratungsstelle, hat jedoch weiterhin offene Fragen zum Mutterschutz, zum Elterngeld und zur Elternzeit. Sie spielt mit dem Gedanken, den Kindsvater zu heiraten und zu ihm ins Ausland zu ziehen und hat dazu rechtliche Fragen. Die Gespräche mit der Babylotsin sind für die werdende Mutter wichtig. Sie kann sich schwer vorstellen ein Kind zu bekommen und hat Angst wie ihr Arbeitgeber reagiert. Aufgrund ihres ADS fühlt sie sich unkonzentriert und hat Angst, Informationen zu vergessen oder falsch zu verstehen. Wiederholt ruft sie daher die Babylotsin an oder schreibt ihr E-Mails. Die Babylotsin erlebt die Frau als emotional bedürftig. Der Kontakt zur Babylotsin gibt ihr Sicherheit. 

Beratung / Vermittlung

Für die Babylotsin ist es wichtig, dass sich die Kindsmutter ein umfassendes Bild zu ihren offenen Fragen machen kann. So erhält sie eine Vorstellung, wie sie mit Baby und gleichzeitig als Mutter leben kann und auf welche Unterstützung sie zurückgreifen kann.

Die Babylotsin rät ihr die Evangelische Auslandberatung zu kontaktieren und eine mögliche Auswanderung durchzusprechen. Außerdem empfiehlt sie der jungen Frau sich beim Jugendamt zur Vaterschaftsanerkennung und Sorgerecht beraten zu lassen, und die Beratungsstelle für Frauen anzurufen, die bei einer psychischen Stabilisierung unterstützen können. Die Babylotse erinnert die Mutter daran, eine Hebamme zu suchen, und stellt den Kontakt zu den Frühen Hilfen in Süddeutschland her. So erhält die Kindsmutter direkt nach dem Umzug Unterstützung vor Ort. 

Die werdende Mutter ist dankbar für die Hilfe, tut sich jedoch teils schwer bei der Umsetzung. Da sie weiterhin Vollzeit arbeitet und über kein soziales Netz verfügt, fehlt ihr die Zeit um offene Punkte umzusetzen. Die junge Frau hat immer wieder neue Fragen und Ideen, geplante Schritte verzögern sich. Dabei sucht sie immer wieder den Kontakt zur Babylotsin.

Zu Beginn des Mutterschutzes zieht die junge Frau zu ihren Eltern nach Süddeutschland. In dem Umfeld fühlt sie sich sicher. Schon vor der Geburt begleiten und unterstützen die Hebamme und die Frühen Hilfen die Mutter.

Der Kindsvater kommt vier Wochen vor der Geburt nach Deutschland und bleibt vorerst für drei Monate bei Mutter und Kind. Er hat die Vaterschaft anerkannt. Eine gemeinsame Sorgerechtserklärung zögert die Mutter noch hinaus, da sie befürchtet, dass diese nach einer gescheiterten Partnerschaft nachteilig für sie ausfällt.

Fazit

Alleine vor vielen ungeklärten Fragen und offenen Punkten stehen, ist eine Situation, die überfordern kann – zumal als werdende Mutter. Gespräche und die richtigen passenden Angebote aufgezeigt zu bekommen, können helfen und einem Sicherheit zurückgeben.

Fall Kompakt:

Dauer: 3 Monate

Aufträge an die Babylotsin:

- Emotionale Unterstützung

- Beantwortung rechtlicher Fragen rund um die Geburt

- Vermittlung zu Spezialisten

Beteiligte / Überleitungen:

- Hebamme

- Frühe Hilfen in Süddeutschland

- Evang. Auslandberatung

- Jugendamt, Abteilung Beistandschaften

- Beratungsstelle für Frauen