Gehörlos in den Kreißsaal: Die Angst um den kleinen Devin Can

Die Freude über die Schwangerschaft weicht mit jedem Tag der Angst vor dem nahenden Termin: „Wird die Geburt schiefgehen, weil ich die Anweisungen der Hebammen und Ärzte nicht verstehe?", fragt sich Sibel aus Hamburg immer häufiger. Die 29-Jährige ist gehörlos, ihr Ehemann Seckin schwer hörgeschädigt.

Eine Gebärdendolmetscherin könnte bei der Geburt helfen, doch die Suche des jungen Paares läuft ins Leere – auch, weil es nicht weiß, wie es die Hilfe bezahlen soll. Sorgen machen sich die beiden auch, weil sie keine geeignete Nachsorgehebamme finden. Und wie können sie ihr Baby fördern, wenn es hörend auf die Welt kommt?

Bei der Anmeldung im Geburtskrankenhaus hat Sibel viele Fragen rund um die Geburt und große Angst, dass ihre Wünsche in der Klinik nicht wahrgenommen werden. Doch die Hebamme erkennt beim ersten Kontakt die Probleme und informiert das Team der Babylotsen. Die erfahrene Babylotsin Tina Wilson nimmt noch während der Anmeldung Kontakt zu dem jungen Paar auf. Gemeinsam mit Sibel und Seckin organisiert sie eine Gebärdendolmetscherin für die Geburt, klärt über mögliche Anträge wie Kindergeld und Elterngeld auf und erledigt Telefonate, die das Paar allein nicht führen kann.

Jetzt fühlen sich die jungen Eltern gut aufgehoben und sind bereit für den großen Tag. Eine Gebärdendolmetscherin übersetzt die Anweisungen der Hebamme im Kreißsaal und nach acht Stunden kommt schließlich der kleine Devin Can auf die Welt – gesund und hörend. Sibel ist glücklich und stolz: „Mit Hilfe der Dolmetscherin habe ich die Geburt ohne eine PDA geschafft."

Doch das Stillen bereitet der jungen Mutter große Schwierigkeiten. Zum Glück hat die Babylotsin noch vor der Geburt den Kontakt zur ersten Stillberaterin mit Gebärdendolmetscherin hergestellt. Sibel erhält Hilfe und nach nur wenigen Tagen trinkt der kleine Devin Can problemlos an der Brust. Eine geeignete Nachsorgehebamme kümmert sich in der ersten Zeit um die junge Familie und auch ein Rückbildungskurs wird gefunden.

Auch für die folgenden Probleme wappnet die Babylotsin die Eltern: Für ein hörendes Kind gehörloser Eltern ist der Kontakt zu Hörenden besonders wichtig. Sibel und Seckin möchten ihren kleinen Sohn bestmöglich fördern, wissen aber nicht wo. Die Babylotsin sucht für die Familie eine geeignete Frühfördereinrichtung, die sie in einigen Wochen aufsuchen können. "Es hat alles super geklappt", scheibt Sibel heute. "Danke an die Babylotsen. Ohne sie hätten wir unsere Probleme nicht lösen können."

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