Krankengeschichte

Emilia kommt mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf die Welt. Die sehr jungen Eltern trifft die Diagnose unvorbereitet, sie sind erschüttert und hilflos. Bei Entlassung des Kindes verordnet der Stationsarzt Sozialmedizinische Nachsorge,

um die überforderten Eltern in der kritischen Phase zu stabilisieren und das Gelingen der Behandlung zuhause sicherzustellen.

Situation bei Entlassung aus der Klinik

Trotz der Erstversorgung mit einer Trinkplatte bestehen bei Emilia zahlreiche Funktionsstörungen durch die fehlende Trennung des Nasenraums zur Mundhöhle.

Die Familie ist ängstlich und verunsichert. Emilias Atmung ist behindert, die Ernährung schwierig und zeitaufwendig. Emilia verschluckt sich oft und trinkt schlecht, es droht eine Gedeihstörung. Die Eltern machen sich Sorgen um das Gehör ihrer Tochter, das durch die mangelnde Belüftung beeinträchtigt sein kann und um die zukünftige Sprachentwicklung. Die Kontrolle in der Sprechstunde für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ist organisiert und wird regelmäßig durchgeführt,

weitere Therapiepläne sind vorbereitet. Im Alter von acht bis neun Monaten sind die ersten Korrekturoperationen geplant.

Soziales Umfeld

Die Eltern sind beide sehr jung und befinden sich noch in der Ausbildung. Sie wohnen beengt in einer lauten Umgebung. Die Großeltern von Emilia können der jungen Familie nicht helfen. Sie sind beide arbeitslos und chronisch krank. Eine Tante der jungen Frau erledigt gelegentlich die nötigsten Einkäufe. Zumindest

ein Elternteil kann die Ausbildung aktuell nicht weiterführen.

Hilfebedarf

Es droht eine massive Überforderung. Allein die Fütterungszeiten nehmen fast den ganzen Tag in Anspruch. Emilias Eltern können sich mit der Krankheit ihrer Tochter nicht abfi nden und hadern mit ihrem Schicksal, auch weil das Stillen durch die Gaumenspalte nicht gelingt. Neben psychologischer Unterstützung benötigen die jungen Eltern dringend Hilfe und Anleitung für die Ernährung ihres Kindes.

Hauptziele der Nachsorge sind das Gedeihen von Emilia und der Aufbau einer guten Eltern-Kind-Bindung. Die psychologische Stabilisierung der Eltern bei der

Krankheitsbewältigung und eine gute Vernetzung im wohnortnahen Gesundheits-

und Sozialraum sind ebenfalls zentral.

Beratung und Unterstützung

Eine Kinderkrankenschwester von SeeYou besucht die Familie zuhause. Sie zeigt Emilias Mutter, welche Flaschensauger am besten geeignet und welche Fütterungspositionen am günstigsten sind. Durch geduldiges Üben unter fachkundiger Anleitung verlieren die Eltern allmählich die Angst vor der regelmäßig durchzuführenden Reinigung der Gaumenplatte und dem korrekten Wiedereinsetzen. Vor allem aber spricht die Kinderkrankenschwester der Familie Mut zu, die großen Herausforderungen von Emilias Krankheit anzunehmen. Die Psychologin der Nachsorgeeinrichtung arbeitet ebenfalls intensiv mit der Familie

zur Förderung einer guten Eltern-Kind-Bindung. Zusätzlich erhält die Familie Hilfe bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises und bei der Suche nach einer wohnortnahen Selbsthilfegruppe.

Ergebnis

Nicht allein gelassen entwickeln Emilias Eltern in der ersten kritischen Phase nach Klinikentlassung eine liebevolle Beziehung zu ihrem Kind und sehen mit Ruhe den operativen Korrekturmaßnahmen entgegen. Alle ärztlichen Kontrolltermine sind vereinbart. Der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe und der Austausch mit anderen Betroffenen bringt die Familie weiter auf einen guten Weg. Emilia hat beste Chancen auf eine optimale psychosoziale Entwicklung.

Der Fall kompakt:

Hilfebedarf:

- Neugeborenes mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
- Schwierige Ernährungssituation
- Gefahr einer Gedeihstörung
- Krankheitsakzeptanz und -bewältigung
- Schwierige Wohnsituation
- Sehr junge Eltern, beide in Ausbildung

Nachsorgeauftrag:

- Beruhigung und Bestätigung der Eltern

- Förderung der Krankheitsakzeptanz und -bewältigung

- Vermeidung einer Formstörung

- Förderung einer guten Eltern-Kind-Bindung

- Anleitung zum optimalen Füttern

- Anleitung zur Mundhygiene, Reinigen der Trinkplatte

- Koordinierung aller erforderlichen medizinisch - therapeutischen Termine

- Auffinden einer wohnortnahen Selbsthilfegruppe


Beteiligte Fachkräfte von SeeYou:

- Familienkinder- krankenschwester

- Sozialpädagogin

- Psychologin

- Fachärztin


Ergebnis:

- Stabile Familiensituation

- Gute Eltern-Kind-Bindung

- Gewachsene Kompetenz der Eltern beim Füttern ihres Kindes

- Gutes Gedeihen des Kindes

- Regelmäßiger Besuch einer Selbsthilfegruppe durch mindestens einen Elternteil

- Gelingende ambulante Therapie und maximale Förderung des Kindes durch Einhaltung aller medizinisch- therapeutischen Termine